Mittwoch, 8. August 2012

August-Hitze in Japan




Es ist Anfang August in Japan und an vielen Tagen erreicht das Thermometer 34 bis 36 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 60 %, zumindest zeigt dies das Thermometer im Flur so an. Strahlend blauer Himmel aber einfach zu heiss um auch nur für eine halbe Stunde einen Fuß vor die Tür zu setzen. Zum Abend sinkt die Temperatur auf 30 Grad ab, nun kommt auch wieder Leben in mich. 
Wir wohnen in einem typischen japanischen Plastik-Haus, welches eine Etage hat. Was dieses Haus so einzigartig für mich macht ist die nicht vorhandene Isolierung, daß ist natürlich sarkastisch gemeint. Es ist ein wenig wie in einem Zelt auf dem Campingplatz, im Sommer schafft die Klimanalage es nicht das Wohnzimmer zu kühlen, da alles durch die Ritzen nach außen dringt. Dementsprechend hoch ist der monatliche Stromverbrauch. Im Winter schafft die Heizung, die im Sommer als Klimanalage gedient hat und nun im Winter Modus ist, es ebenfalls nicht das Haus warm zu halten. Im Winter hat man mehr Optionen und das Wohnzimmer wird mit Heizdecken auf dem Boden ausgelegt und einer Kutatze, ein Tisch mit einem Ofen in der Mitte und einer Decke drum herum. Dies ALLES plus warme Pullover und Mütze im Bett hält uns warm. Zusätzlich stellt man kleine Benzin-Öfen in einzelnen Zimmern auf. Im Sommer hat man weniger Optionen, leider. Entweder stellt man die Klimanalage auf "Eis-Kühlung" und holt sich unter Umständen den Tod oder man schwitzt und ist nach den ersten sechs Stunden bis zum Mittagsessen so groggig, daß man wie in anderen südlichen Ländern üblich eine Art Siesta einlegt. Zumindest bis drei Uhr Nachmittags, in meiner Welt wohlbemerkt. Ausserdem gibt es noch den traditionellen Fächer den fast jeder mit sicher herumträgt und immer dann aus der Tasche zieht, wenn es einfach zu heiß wird. Besucht man jemanden, wird einem ein Eis-Waschlappen gereicht. Dieser wird vorher für den Gast bereitet. Erst mit Wasser durchnässt und dann 20 Minuten in den Eisschrank legen, fertig!

Zuhause ist das alles nicht so einfach. Sind alle Familienmitglieder zu Hause, wird jeder seine Klimaanlage anschmeissen und es ist nicht möglich Klimaanlage, Waschmaschine, Bügeleisen und Ofen gleichzeitig zu nutzen. Die Sicherung fliegt alle paar Sekunden heraus. 

Meine Küche ist klein und hat ein kleines Fenster, eigentlich ist es kein Fenster sondern ein viereckiges Loch mit Flapps und Fliegenschutz davor. Im letzten Winter habe ich mir eine schwere Erkältung dort geholt. Der Gas-Herd heiß und durch das Fenster zieht es herein. Irgendwann kam mein Kleiner auf den Einfall etwas vor das Fenster zu kleben. Dafür kam aber kein Licht mehr in die Küche. Es half! Jetzt im Sommer ist dieser Schutz wieder entfernt, dafür ist es nun doppelt so heiß in der Küche, gerade beim kochen, da die Klimaanlage die Küche nicht erreicht und mitkühlt und kein Platz für eine Klimaanlage ist. Ohne den Gas-Herd anzuschalten und mich vom Fleck zu bewegen, läuft mir das Wasser den Rücken herunter. Manchmal öffne ich den Kühlschrank und stelle mich davor.

Mein Tag fing mit der Vorfreude an, daß meine Kinder aus den Sommerferien zurückkehren. Fünf Wochen ohne Kinder ist eine Ewigkeit für mich und ich sehne mich nach ihnen. Da noch weitere drei einhalb Wochen Sommerferien in Japan anstehen bevor die Schule wieder anfängt, plane ich voller Ungeduld unsere Ferien in Japan. Eine Woche Kanazawa sind schon einmal eingeplant. Doch die Woche vor unserer Abfahrt nach Kanazawa muß noch mit ein paar Tagestouren gefüllt werden. Dieses Wochenende werden wir zum Anlaß des zweijährigen Todestages des Cousins meines Mannes erstmal nach Chiba fahren und dort die Familie meines Mannes besuchen um unsere Aufwartung und unseren Respekt zu zeigen. August ist der Monat des O-Bons.

Mein Mann ist nächste Woche bei einem seiner Männerabende eingeladen, typisch japanisch. Als ich das erste Mal in Japan lebte und meine bessere Hälfte jeden Abend gegen 23.00 oder 24.00 Uhr nach Hause kam, packte ich meine Koffer und stand am nächsten Morgen mit ihm abreisebereit am Ausgang unseres Apartments. Wir waren gerade mal 2 Wochen verheiratet und ich das erste Mal in Japan. Er war perplex über soviel Konsequenz und wir verhandelten in fünf Minuten unser weiteres Zusammenleben in Japan, er hatte schließlich nicht viel Zeit, sonst wäre er zu spät zur Arbeit gekommen. Ausserdem war dies eine absolut ungewöhnliche Situtation, daß die Ehefrau hier soviel Unruhe in das morgentliche Ritual brachte. Er hätte auch zugestimmt, wenn ich ihm gesagt hätte, daß ich einen Porsche kaufe, nur damit er pünktlich auf Arbeit kommt. Wir einigten uns darauf, daß er jeden Abend gegen 20.00 oder 21.00 Uhr spätestens zu Hause ist. Seitdem hält er sich an dieses Versprechen, es geht sogar so weit, daß er um 19.30 Uhr immer schon im trauten Heim eintrifft. 

Dies ist natürlich eine sehr schwieriger Seilakt für meinen Mann, da er eigentlich das Büro nicht vor seinem Vorgesetzten verlassen sollte und mit den "Männern" einen trinken gehen sollte. Er muß sich auch mit einer bestimmten japanischen Floskel verabschieden, die ungefähr so lautet; "Entschuldigt, dass ich früher gehe..." Ich habe ihn bis heute nicht gefragt wie er das macht. Ab und an sagt er mir: "Du ich muß heute länger bleiben wegen diesem oder jenem Projekt". Ich antworte immer nur: "... ja natürlich!" Ab und an gibt es dann auch diese Männerabende. Dort trifft er sich mit ehemaligen Studienfreunden oder begrüßt Neuankömmlinge aus der Firma oder aber verabschiedet Kollegen die in Rente gehen. Zweimal im Monat wird gebetet und dazu versammelt sich auch die ganze Firma. An manchen Wochenenden laden ihn auch seine Vorgesetzten oder alte Kameraden zum Golf ein. Im allgemeinen emfpinde ich des alles als zumutbar, nur manchmal vergisst mein Mann, dass er mit einer Deutschen verheiratet ist und vereinbart 3x im Monat Golf. Dann hole ich ihn liebevoll wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Entweder schläft er dann auf dem Sofa oder bekommt kein Frühstück. Ich habe das Empfinden, daß das Frühstück die schlimmere Bestrafung ist und glaube er bevorzugt das Sofa im Sommer. Auch habe ich eine neue Regelung in unsere interkulturelle Ehe eingebracht, da ich von Morgens um 7.00 Uhr bis Abends um 19.30 Uhr nichts von ihm gehört habe, daß er mich bitte einmal am Tag während seiner Mittagspause anruft. Als ich ihm den Vorschlag das erste Mal gemacht habe, fing er laut an zu lachen und konnte sich nicht mehr beruhigen. Damals wurden gerade viele Dokumentaries über 9/11 gezeigt und zufällig, erzählte dort eine Hausfrau, die auf tragische Weise ihren Mann verloren hat, wie oft ihr Mann (wenn ich mich richtig erinnere 8 bis 10x am Tag) sie täglichlich anrief. Wir beide saßen zu dem Zeitpunkt vor dem Fernseher und schauten uns vielsagend an. Mein Mann ungläubig und ich vielsagend um es genau zu erklären. Seitdem ruft er mich jeden Tag zur Mittagszeit an. Anfangs mit viel gekichere, ich mußte dann immer die Augen rollen, so etwas Albernes.  Irgendwann sagte ich ihm, daß die Männer in Frankreich immer zur Mittagszeit nach Hause kommen würden .... Ich konnte die Panik in seinen Augen erkennen, daß war einfach zuviel Aufmerksamkeit für die Ehefrau eines Japaners. Inzwischen sind seine täglichen Anrufe normale und lustige Unterhaltungen und wir witzeln in deutsch oder japanisch herum. Manchmal drohe ich ihm, falls er vergißt anzurufen, daß ich ihn als verkleideted Maid bei der Arbeit besuche, falls er wieder vergessen sollte anzurufen. 

Ich glaube ich hätte ihm alles erzählen können. Zumindest was das Leben in Deutschland oder Europa betrifft, er konnte es ja nicht überprüfen, wir leben in Japan. 



Kommentare:

  1. Haha! Das hört sich witzig an oder wenigstens schreibst du witzig drüber.

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  2. Hallo, entschuldige für die späte Antwort, bis ich rausgefunden habe wo ich antworten muß, dass dauert! Ja, man muss viel mit Humor nehmen!

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