Freitag, 16. November 2012

Mein Alltag & - Fusion-Teenager



Beim Arzt
Heute liege ich krank im Bett. Hals, Ohren und Kopfschmerzen. Am Vormittag war ich bei meinem japanischen Kinderarzt. Eigentlich gehen dort nur Kinder bis 10 Jahren hin, zumindest sieht es so aus. Heute Morgen war der Altersdurchschnitt ohne meine Anwesenheit bei 18 Monaten. Nun das hat sich mit meinem Erscheinen dann gleich auf 610 Monate raufgeschraubt. 

Der Arzt spricht englisch und er erinnert mich an Mr. Miyagi aus dem Karate Kid Film.  Etwas vertrautes in der Fremde. In Japan gibt es eine Krankenversicherung, ähnlich wie in Deutschland aber die Konditionen sind anders. Immer muß ich bar bezahlen und bekomme dieses Geld auch nicht zurück. Anteilig natürlich nur, doch das sind 1,050 ¥ ca. 10 Euro für den Arztbesuch. Nach dem Besuch erhält man ein Rezept, dass man sich in der Apotheke abholen kann. Nun ja, die Apotheke ist immer zwei Türen weiter neben dem Arzt. Dort habe ich heute 5,600 ¥ ca. 54 Euro nur für Medikamente ausgegeben. 

Nun liege ich im Bett und kann nicht Helicopter Mama sein und meinen Großen zum Klettern zu fahren oder meinen Kleinen zum Arzt (Hr. Miyagi). Jedesmal wenn ich meinen Kopf bewege oder hinlege schmerzen meine Ohren. Das ist wirklich unangenehm, also sitze ich gerade im Bett und habe mir überlegt was ich jetzt mache, so ohne viel Gehör und mit viel Langeweile. Einen Post über meinen Alltag ...

Offiziell ist Winter in Japan und wie schon in einer früheren Post beschrieben sitze ich im Winter mit Pudelmütze und Flanell Schlafanzug plus extra Bettjacke im Bett. Also richtig altbacken. 




Mein Teenager

Mein Großer (14 Jahre alt) kam gestern nach Hause und erzählte das Folgende von der Schule: "Mama, für den Geschichtsunterricht sollten wir Zeitschriften mitbringen, diese wurden dann untereinander ausgetauscht und jeder sollte über die Zeitschrift des Anderen oder der anderen Gruppe eine kurze Präsentation halten. Das war schrecklich!"

Ich: "Schrecklich!? Wieso war das schrecklich? Was kann so schrecklich an einer Zeitschrift sein ... die werden doch nicht .... huch!" 

Mein Großer: "Die Mädchen haben eine Bravo Zeitschrift mitgebracht und wir haben uns dies angeschaut, merkwürdig, einfach nur merkwürdig, ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll. Wir haben uns dann meine Zeitschriften über Flugzeuge angeschaut. Das war interessanter."

Die zwei Kulturen die die Kinder in sich vereinen oder in der sie aufwachsen ist manchmal schwer zu verstehen, ganz besonders wenn man deutsch in Japan ist. Jedenfalls gehört die Bravo Zeitschrift für meinen Sohn nicht zur Standard Lektüre. Ganz besonders konnte er die Begeisterung der Mädchen für Sänger, Schauspieler etc. absolute nicht nachvollziehen. Ich sollte ihm diese Begeisterung erklären und da sass ich nun, ich die alle "real housewives Serien aus den USA mit Stars und Sternchen" total in sich hinein frisst. Ich habe so gar nichts mit meinem Sohn gemeinsam, außer das wir beide gerne klettern aber seine Liebe zur Physik und Chemie, kann ich nicht teilen. Er will Pilot werden und im nächsten Sommer werde ich mit ihm auf dem Flugplatz in USA sitzen und zuschauen wir er jeden Tag in ein Segelflugzeug steigt. Ich bin kein begeisteter Flieger aber weiß schon jetzt, dass ich eines Tages mit einsteigen muß. Auch will er sobald wie möglich mit einem Fallschirm abspringen. Nun ja, das werden wir wohl irgendwann zusammen machen, ich hoffe, dass ich dann nicht einen Herzinfakt bekomme, da ich eigentlich Höhenkrank bin. Ich krieg schon einen Koller wenn ich auf der Leiter stehe. Aber was macht man nicht alles als Mutter? Fürs Klettern konnte ich mich auch begeistern.

Also beantwortete ich die Frage so: "Also, ja nun, aehm, wie soll ich das erklären.... zu meiner Zeit war die Bravo richtig inn, Dr. Sommer ....

Mein Großer: "...Dr. Sommer, wer ist das?" 
Ich: "Aeh, der erklärt alles über Sex."
Mein Großer: "Yak" ... und schaute mich missbilligend an. Da waren ganz viele Stars drin, so sonderbar, warum kauft man sowas? Dann drehte er sich um und sagte, na ja, mein Freund und ich haben uns meine Zeitschriften angeschaut. Er hat keine Zeitschriften Zuhause. 

So und mehr wollte mein Sohn nicht mehr wissen. Das reichte! Eigentlich wollte ich ihm noch von dem John Travolter Poster erzaehlen, dass Bravo mal in Lebensgröße als Sammelposter angeboten hat. Nun ja, dafür hat mein Sohn kein Verständnis. 

Dann fiel mir ein, dass er im letzten Jahr irgendwann einmal nach Hause kam und mir sagte, er solle ein Referat über seinen Lieblingssänger oder Gruppe machen. Er hört so gut wie keine Musik, wann denn auch? Die Kinder lernen immer nur. Ich sollte ihm einen aussuchen. Ich schlug Evanescence vor. Viel zu laut. Nach und nach schlug ich einen anderen Musiker vor, alle waren nicht das Richtige. Schließlich einigten wir uns auf Nickelback, da es nicht zu alt sein sollte.

Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Lehrer im gleichen Alter wie ich sind und denken, dass Bravo total "cool" ist. Offensichtlich nicht! 

Youtube ist bei meinen Teens angesagt. Alle verrückten Videos mit Tieren werden manchmal nonstop geschaut. Gitarre kann man auch auf youtube lernen ... usw.






Kommentare:

  1. Gute Besserung!
    Ich bin kein Fan von dem japanischen Gesundheitssystem. Habe mich neulich auch ausführlich darüber in meinem Blog ausgelassen. Ich finde es viel zu teuer, v.a. wenn man regelmäßig zum Arzt MUSS! :(

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  2. Danke Jasmine! Den Artikel werde ich lesen. Habe heute schon bei Dir gestöbert und fand den Artikel über die Krabbeltiere in Japan super!

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    1. Günstiger als in Schweden, da ist man jedes Mal zwischen 250 und 300 Kronen (ca. 28 bis 33 Euro) los.

      Die Bravo-Geschichte erinnert mich an mein lebensgroßes Wham!-Poster, das hing über meiner Tür. Peinlich, peinlich. ;) Ich glaube, die Jungs haben sich früher in der Schule auch nicht so sehr für Bravo interessiert, zumindest nicht "offiziell", außerdem sind die ja immer ein bisschen langsamer als die Mädchen. So in ein, zwei Jahren wäre das sicher auch für Deinen Großen von Interesse. Zumindest die Sex-Geschichten.

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