Daidokoro - Winter Gerichte (Nabe)


Japanische Küche 
Grundlegendes

In Japan gibt es ebenfalls vier Jahreszeiten: Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Als ich das erste Mal in Japan war, wunderte ich mich über die Strenge der Angebote bei Gemüse. Wintergemüse, Frühjahrsgemüse, Sommergemüse und Herbstgemüse. Meine japanischen Freundinnen erklärten mir, daß auch nur so gekocht wird. Diese Gemüsesorten sind frisch und deshalb kocht man den Jahreszeiten entsprechend. Das Frühjahr fängt im März an und hört im Mai auf. Sommer ist von Juni bis August, Herbst von September bis November und Winter von Dezember bis Februar. Dementsprechend werden verschiedene Gerichte je nach Jahreszeit zubereitet. 

Nun ich werde mit den Winter Gerichten anfangen. Denn Dezember steht vor der Tür. In Deutschland essen wir Rotkohl zum Weihnachtsfest. Nun Kohl steht auch in Japan im Winter auf dem Tisch. Hier eine Liste der Winter Gemüse Sorten in Japan:

Japanisches Winter Gemüse und Zutaten

Rettich
Chinesischer Kohl
Rübe
Mizuna (japanisches Senf Gemüse)
Karotte
Naga Negi Zwiebel oder Welsh Zwiebel oder Frühlingszwiebel
Japanese Amberjack (Yellowtail) ein Fisch mit einem gelben Schwanz
Bastard Halibut oder Olive Flounder (Pazifischer Ozean)
Japanischer Sandfish oder Trichodontidae
Kugelfisch
Torpedobarsch
blauflossen Thunfisch aus dem Pazifik
Horsehair Krabbe
Schnee Krabbe oder Chionoecetes
Eismeergarnele
Apfel
Mikkan
Kohl
Rotkohl
Brokkoli
Blumenkohl
Yuzu Limone
Tofu
Pilze
Bohnen



Habotan! Blumen, die man nicht essen kann.
Blumenkohl links, komischer Brokkoli (Japaner sagen Brokkoli) oder Romanesco, rechts und unten Blumenkohl


Feste im Winter

Das wichtigste Fest im japanischen Winter ist das Neujahr. Dies ist nicht auf einen Tag reduziert sondern auf einen Zeitraum von 3 bis 15 Tagen und es beginnt am 1ten Januar. So wie wir Weihnachten reich dekorieren, dekorieren Japaner für das Neujahr. Kadamatsu, Kiefernzweige, Shimenawa, Shinto Strohgirlanden und Kagami-Mochi, runde Reis Küchen werden im Haus dekorativ plaziert.

Für die Festtage wird vorgekocht "osechi-ryori" und diese werden dann während der ersten drei Tage des Neujahrs verspeist, damit die Hausfrau nicht soviel Arbeit hat und ebenfalls feiern kann. Natürlich darf Sake nicht fehlen.

Meine Familie besucht um Mitternacht den Shinto Schrein, dass nennt sich hatsumode. Viele Japaner gehen aber erst am nächsten Morgen zum Schrein. Es wird für ein friedliches Jahr gebetet und der Glückspfeil des Vorjahres wird verbrannt. Danach ersteht man einen Neuen und bringt diesen nach Hause. Natürlich muß man noch seine Zukunft für das kommende Jahr herausfinden. Dies sind die Traditionen am Schrein, hier mein Artikel "Religion in meiner interkulturellen Ehe".

Am Neujahrstag begrüßt man sich mit "Akemashite Omedetou-gozaimasu"

Auch werden Buchweizen Nudeln "Toshikoshi-Soba" normalerweise am Abend des letzten Tages des Jahres gegessen. Wir essen diese Nudeln aber am Abend des ersten Tages des Jahres.

Nun Feste haben gewöhnlich ihre dazugehörigen Gerichte und hier eine kleine Übersicht über das was während der Neujahresferien in Japan gegessen wird:

1. Januar bis 7.  Januar geht man gewöhnlich zum Schrein
1. bis 3. Januar osechi-ryori.
1.1. Abend : Soba Nudeln
7.1. Nanakusa-gayu - Reissuppe mit 7 Frühlingskräutern
11.1. Kagami-biraki - anschneiden des Reiskuchens
3.2.-4.2. Setsubun Sushi mit 7 verschiedenen Zutaten für Glück

Reis

Vier Personen
600 g Reis
2 Blätter Kombu
2 Stunden

Es gibt verschiedene Sorten Reis, so wie es verschiedene Sorten von Kartoffeln gibt. Jedes Jahr Anfang Oktober erhalte ich 30kg Reis aus Niigata, direkt von den Reisfeldern meines Schwiegervaters. Reis aus Niigata ist der beste Reis in Japan. Es gibt noch viele andere Anbaugebiete in Japan, die ebenfalls hervorragenden Reis produzieren.

In Japan hat jeder Haushalt einen Reiskocher. Eigentlich ist es einfach Reis zu kochen. Er wird abgemessen in dazu gelieferten durchsichtigen Pastikmessbecher. Pro Becher eine Portion (150g). Dann wird der Reis mit kaltem Wasser gewaschen und zwar solange bis das Wasser klar ist.


Kombu


Kombu

Kombu mehrfach einschneiden







Man sollte den Reis dann vielleicht 1 Stunde im Wasser ziehen lassen und dann erst kochen. In Japan legt man gerne Kombu zum Reis dazu, dass ist Seetang, dicker als der getrocknete Seetang den man für die Sushi Rollen benutzt. Dieser wird mehrfach eingeschnitten und in den Reiskocher gelegt. Er sorgt dafür das Mineralien dem Reis zugeführt werden. Zumindest hat meine Freundin mir dies so erklärt und ihre Mutter hat dies auch schon so gemacht.

Niemals öffnet man den Reistopf bevor der Reis fertig gekocht ist. Das dauert normalerweise 56 Minuten.


Nabe
Hühnertopf
(hierzu benötigt man keinen Reis)

Hier gibt es je nach Region viele verschieden Variationen. Ich liebe Hühnchen, da ich immer auf meine Figur achten muß und ich mit Hühnerfleisch in allen Variationen am wenigsten zunehme, eher das Gegenteil. Im allgemeinen mag mein Mann kein Hühnchen, dies habe ich schon von vielen japanischen Männern gehört. Doch Hühnchen Nabe isst mein Mann auch. Nabe ist ein typisches Wintergericht und gerade für unsere Kotatsu hervorragend geeignet.

Hühnchen Nabe
(P.S. die Bilder stimmen nicht ganz mit dem Rezept überein, da
ich bestimmte Zutaten nicht bekommen habe)

Vier Personen
600 g Hühnerbeine / -Flügel
Tofu
1/4 chinesischer Kohl
100g Soja Bohnen oder Bohnen
1/2 Bund Kronenwucherblumenblätter
1 handvoll Zuckererbsen
4 Shiitake Pilze (getrocknet oder frisch)
1 Packung Samtfußrübling Pilz
2 Bund Frühlingszwiebeln
Weltengrün (Kudzu) Fäden http://de.wikipedia.org/wiki/Kudzu_(Pflanze)




15 cm Kombu
100ml Sake
Rettich groß
Pfeffer & Salz

Für Soße Ponzu 
Soja Soße
2 Zitronen
Soja Soße mit Zitronensaft verrühren und abschmecken, je nach Geschmack!
Diese Sauce wird am Schluß in die eigene Suppenschüssel dazugegeben um den Geschmack der Suppe zu verbessern.

Es gibt hier viele Variationen. Man kann auch Miso Suppe oder einfache Soja Soße dazugeben.


Stäbchen werden in Japan quer vor die Teller gelegt und auf ein Stäbchen Halter. In diesem Bild seht ihr vorne koreanische Stäbchen, Mein großer Sohn und ich mögen keine Holzstäbchen. Japaner haben eigentlich Holzstäbchen. Mein Mann und unser kleiner Sohn nehmen immer Holzstäbchen zum Essen.


Nabe Tontopf auf Gaskocher, mitten auf der Kotatsu!

Kombu

Kombu einweichen


Knoten rein, damit man es besser am Schluß aus der Suppe fischt.

Gemüse waschen und zu mundgerechten Happen zurecht schneiden, da man mit Stäbchen ißt.

Säubern nicht vergessen!




Hier habe ich eine andere Pilzsorte mit in die Suppe getan aber
das Original Rezept ist so wie in den Zutaten angegeben.







1. Hühnchenbeinchen/-Flügel kurz ins kochende Wasser legen, 30 Sekunden, dann raus. Das wird in der Küche gemacht. Danach wird das Wasser weggeschüttet und das Fleisch wird ins Wohnzimmer gebracht, damit es im Nabetontopf gegart wird, auf dem Wohnzimmer Tisch.

2. Kombu ins Wasser legen und 30 Minuten ziehen lassen. Dann das Fleisch und die Sake hinzugeben und zum kochen bringen. Solange kochen bis ca. nur noch 2/3 der Flüssigkeit im Topf ist. Schaum abschöpfen.

Ein wenig Butter als Geschmackverstärker.  Dies ist nur notwendig, wenn man nur Hühnchenbrust hat.


Sake & Fleisch hinzufügen

Schaum abschöpfen. Shiitake Pilze und Bohnen als nächstes
dazugeben.


Gemüse je nach Garzeit hinzugeben, vielmals nur ein oder zwei Minuten
vor Fertigstellung des Gerichts.


Seht ihr das durchsichtige Stück Kudzu (Weltengrün)? Glasnudeln!



Als letztes wird Kronenwucherblumenblätter dazugegeben.





Nun servieren und mit Salz, Pfeffer und Ponzu abschmecken und ein paar Frühlingszwiebeln in die fertige Suppe geben.

   

Design Festa 36, Tokio


Anfang November sind wir zur Tokyo Big Sight gefahren und haben dort die Design Festa besucht. Hier kann man alle Arten von Kreationen bewundern. Vom Handtaschendesigner bis zum Teddybär Kreator. Eigentlich hatte ich mir dies ein wenig anders vorgestellt aber urteilt selbst indem ihr euch die Bilder anschaut. Interessant war es auf jeden Fall.


Es gab soviel zu sehen. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Tanz Vorstellungen und Musik Bands gaben ihr Bestesim Forum der Halle (Bild Mitte). Von dort aus konnte man in alle Himmelsrichtungen marschieren um sich die Stände anzuschauen.


Im oberen Teil der Halle gab es eine verdunkelte Ausstellung. Dort malten und zeichneten Künstler an die Wände.


Im unteren Teil der Ausstellung war gerade im linken Bereich ein totales durcheinander an Angeboten. Rechts unten ein Samurai.

Design Festa auf Facebook





Rechts unten im Bild sitzt eine junge Dame mit einer Papiertüte über dem Kopf, die ihre Waren anbietet.




Das Bild unten zeigt Kreationen aus Plastik. Eine Glühbirne dazu und schon hat man die schönste Kinderzimmerlampe der Welt.


Hüte, Webwaren und eine Glückskatze als Besucher.




Ein kunterbunter und bewölkter Tag in Tokio.

Skandal in Tokio


Ein bekannter Nachrichtensprecher Herr Morimoto, der für den Nachrichtensender NHK arbeitet (ähnlich wie das ZDF oder ARD in Deutschland) wurde vorgestern Abend/Nacht festgenommen.

Was war geschehen? Er hat nach einem lustigen Trinkabend seine Hemmungen verloren und stieg in die falsche Bahn. Die Den-En-Toshi Bahn von Tokyo Richtung Yokohama. Eigentlich wohnt er in Chiba, also die entgegengesetzte Richtung. Die Den-En-Toshi Linie ist auch bekannt als die Bahnlinie der Schönheiten!!! Dort hat sich dann laut Augenzeugenberichten das Folgende zugetragen: Morimoto San hat sich vor eine Schönheit gestellt und sich an ihren Brüsten festgehalten, 10 Minuten lang (10 分). Die junge Dame wußte nicht wie sie mit diesem Lustmolch umgehen sollte und ist stehengeblieben. Ein beherzter Fahrgast kam ihr zur Hilfe und machte ihn Dingfest indem er ihn zur nächsten Polizei Station schleppte. 



Mein Alltag & - Fusion-Teenager



Beim Arzt
Heute liege ich krank im Bett. Hals, Ohren und Kopfschmerzen. Am Vormittag war ich bei meinem japanischen Kinderarzt. Eigentlich gehen dort nur Kinder bis 10 Jahren hin, zumindest sieht es so aus. Heute Morgen war der Altersdurchschnitt ohne meine Anwesenheit bei 18 Monaten. Nun das hat sich mit meinem Erscheinen dann gleich auf 610 Monate raufgeschraubt. 

Der Arzt spricht englisch und er erinnert mich an Mr. Miyagi aus dem Karate Kid Film.  Etwas vertrautes in der Fremde. In Japan gibt es eine Krankenversicherung, ähnlich wie in Deutschland aber die Konditionen sind anders. Immer muß ich bar bezahlen und bekomme dieses Geld auch nicht zurück. Anteilig natürlich nur, doch das sind 1,050 ¥ ca. 10 Euro für den Arztbesuch. Nach dem Besuch erhält man ein Rezept, dass man sich in der Apotheke abholen kann. Nun ja, die Apotheke ist immer zwei Türen weiter neben dem Arzt. Dort habe ich heute 5,600 ¥ ca. 54 Euro nur für Medikamente ausgegeben. 

Nun liege ich im Bett und kann nicht Helicopter Mama sein und meinen Großen zum Klettern zu fahren oder meinen Kleinen zum Arzt (Hr. Miyagi). Jedesmal wenn ich meinen Kopf bewege oder hinlege schmerzen meine Ohren. Das ist wirklich unangenehm, also sitze ich gerade im Bett und habe mir überlegt was ich jetzt mache, so ohne viel Gehör und mit viel Langeweile. Einen Post über meinen Alltag ...

Offiziell ist Winter in Japan und wie schon in einer früheren Post beschrieben sitze ich im Winter mit Pudelmütze und Flanell Schlafanzug plus extra Bettjacke im Bett. Also richtig altbacken. 




Mein Teenager

Mein Großer (14 Jahre alt) kam gestern nach Hause und erzählte das Folgende von der Schule: "Mama, für den Geschichtsunterricht sollten wir Zeitschriften mitbringen, diese wurden dann untereinander ausgetauscht und jeder sollte über die Zeitschrift des Anderen oder der anderen Gruppe eine kurze Präsentation halten. Das war schrecklich!"

Ich: "Schrecklich!? Wieso war das schrecklich? Was kann so schrecklich an einer Zeitschrift sein ... die werden doch nicht .... huch!" 

Mein Großer: "Die Mädchen haben eine Bravo Zeitschrift mitgebracht und wir haben uns dies angeschaut, merkwürdig, einfach nur merkwürdig, ich weiß gar nicht was ich dazu sagen soll. Wir haben uns dann meine Zeitschriften über Flugzeuge angeschaut. Das war interessanter."

Die zwei Kulturen die die Kinder in sich vereinen oder in der sie aufwachsen ist manchmal schwer zu verstehen, ganz besonders wenn man deutsch in Japan ist. Jedenfalls gehört die Bravo Zeitschrift für meinen Sohn nicht zur Standard Lektüre. Ganz besonders konnte er die Begeisterung der Mädchen für Sänger, Schauspieler etc. absolute nicht nachvollziehen. Ich sollte ihm diese Begeisterung erklären und da sass ich nun, ich die alle "real housewives Serien aus den USA mit Stars und Sternchen" total in sich hinein frisst. Ich habe so gar nichts mit meinem Sohn gemeinsam, außer das wir beide gerne klettern aber seine Liebe zur Physik und Chemie, kann ich nicht teilen. Er will Pilot werden und im nächsten Sommer werde ich mit ihm auf dem Flugplatz in USA sitzen und zuschauen wir er jeden Tag in ein Segelflugzeug steigt. Ich bin kein begeisteter Flieger aber weiß schon jetzt, dass ich eines Tages mit einsteigen muß. Auch will er sobald wie möglich mit einem Fallschirm abspringen. Nun ja, das werden wir wohl irgendwann zusammen machen, ich hoffe, dass ich dann nicht einen Herzinfakt bekomme, da ich eigentlich Höhenkrank bin. Ich krieg schon einen Koller wenn ich auf der Leiter stehe. Aber was macht man nicht alles als Mutter? Fürs Klettern konnte ich mich auch begeistern.

Also beantwortete ich die Frage so: "Also, ja nun, aehm, wie soll ich das erklären.... zu meiner Zeit war die Bravo richtig inn, Dr. Sommer ....

Mein Großer: "...Dr. Sommer, wer ist das?" 
Ich: "Aeh, der erklärt alles über Sex."
Mein Großer: "Yak" ... und schaute mich missbilligend an. Da waren ganz viele Stars drin, so sonderbar, warum kauft man sowas? Dann drehte er sich um und sagte, na ja, mein Freund und ich haben uns meine Zeitschriften angeschaut. Er hat keine Zeitschriften Zuhause. 

So und mehr wollte mein Sohn nicht mehr wissen. Das reichte! Eigentlich wollte ich ihm noch von dem John Travolter Poster erzaehlen, dass Bravo mal in Lebensgröße als Sammelposter angeboten hat. Nun ja, dafür hat mein Sohn kein Verständnis. 

Dann fiel mir ein, dass er im letzten Jahr irgendwann einmal nach Hause kam und mir sagte, er solle ein Referat über seinen Lieblingssänger oder Gruppe machen. Er hört so gut wie keine Musik, wann denn auch? Die Kinder lernen immer nur. Ich sollte ihm einen aussuchen. Ich schlug Evanescence vor. Viel zu laut. Nach und nach schlug ich einen anderen Musiker vor, alle waren nicht das Richtige. Schließlich einigten wir uns auf Nickelback, da es nicht zu alt sein sollte.

Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Lehrer im gleichen Alter wie ich sind und denken, dass Bravo total "cool" ist. Offensichtlich nicht! 

Youtube ist bei meinen Teens angesagt. Alle verrückten Videos mit Tieren werden manchmal nonstop geschaut. Gitarre kann man auch auf youtube lernen ... usw.






Yoyogi Park, Tokio



Ungewöhnliche Parkbesucher
Der Yoyogi Park liegt direkt im Herzen Tokios und ist einer der größten Parks der Stadt. Es ist kein typisch japanischer Park sondern eher ein Park wie wir es von Deutschland her kennen. Die Harajuku Bahn Haltestelle liegt fünf Gehminuten vom Haupteingang des Parks entfernt. Hündchen sind willkommen, nur nicht am Meiji Schrein, der noch vor dem Haupteingang des Parks liegt. 
Ist man auf der Suche nach dem berühmten verrückten, modernen, ungewöhnlichen Japan, dann findet man einen Teil davon hier. An manchen Tagen mehr und an anderen Tagen weniger. Dies ist unser Tag, ein November Tag im Yoyogi Park.




Für Touristen sieht ein Ausflugstag in diesem Gebiet 
vielleicht so aus:
Yoyogi Park
Meiji Schrein
Harajuku
Shibuya



Quelle: Google Map

Herbstblätter im November
Wir haben uns in diesem Jahr entschieden die Herbstblätter in diesem Park anzuschauen. Hier gibt es nicht die schönsten Herbstbilder, doch ist der Park eine Sehenswürdigkeit für sich. Hier trifft man Künstler, Musikanten, Schauspieler, Gaijins, Herrchen, Frauchen, Dackel, Wuffti, Punks, Clowns, Piraten und alles was sonst in Japan nicht üblich ist. Während des Jahres finden viele Veranstaltungen statt. Dies ist ein sehr untypischer Park für Japan, zumindest meiner Meinung nach. 
    An sonnigen Tagen breiten sich überall Picknickdecken aus und es wird gefeiert. Hier ein Bild in Richtung Shinjuku, ein iconisches Foto welches man immer wieder in Touristen Brochüren findet:



Ein Video für alle die sich gerne Bilder anschauen:



Zur Geschichte des Yoyogi Parks

Am 19. Dezember 1910 wurde hier das erste mal ein Flugzeug von Captain Yoshitoshi Tokugawa erfolgreich geflogen Danach war der Park eine Kaserne. Nach dem zweiten Weltkrieg wohnten die amerikanischen Offiziere hier und es war als Washington Heights bekannt. 
   In 1964 war das Olympische Dorf für die Sommer Wettkämpfe hier angesiedelt, sowie Schwimm-, Tauch- und Basketball- Austragungsort. 
Seit 1967 ist dies ein Stadtpark.

Hunde

Hunde müssen im Park an der Leine geführt werden. Im westlichen Teil des Parks befindet sich ein Hundeauslauf. Dort gibt es drei eingezäunte Abschnitte, die Hunde nach Gewicht einteilen. Nur der Besitzer ist im Gehege erlaubt. 
Seinen Hund muß man vorab registrieren und nachweisen, dass er alle Impfungen hat und gesund ist. Am besten auf der Webseite nachschauen falls man in der Nähe wohnt. 






Herbstbilder







Shinto Schrein "Meiji-jinguu

Dieser Schrein gehört zu den Chokusaisa Schreins. Diese Chokusaisa Schreins haben einen Anspruch darauf, dass der Tennoo (Kaiser) einen Abgesandten zu allen Festen schickt. Es gibt zwei Chokusaisa Schreins in Tokio. Meiji-jinguu und den umstrittenen Yasukuni-jinja Schrein.

Der Meiji-jinguu Schrein ist den Seelen des Meiji-tennoo und seiner Frau Shoken-Kootaigo gewidmet.
Der Kaiser starb 1912 und seine Frau folgte ihm 1914. Bald darauf entschloss man sich den Meiji-jinguu Schrein zu bauen. Am 1. November 1920 wurden die sterblichen Überreste des Paares hierher überführt. Seit dieser Zeit wird Anfang November das Herbstfest hier gefeiert.

Das wichtigste Fest am Schrein findet am 3. November statt. Dem Geburtstags des Meiji Tenno`s.

Während des Jahres werden hier viele Zeremonien abgehalten. Hier die Link zur Webseite und die  direkte Link zu den Veranstaltungen (englisch):

http://www.meijijingu.or.jp/english/

Veranstaltungen:

http://www.meijijingu.or.jp/english/ceremonies/1.html

Vögel im Park






Link zu Parks in Tokio (englisch):

http://www.tokyo-park.or.jp/english/index.html



11. März 2011 - Das große Erdbeben!









Freitag, 11. März 2011

Im letzten Jahr war meine Familie und ich in Japan als das große Erdbeben stattfand. Die Kinder waren in der Schule, mein Mann auf der Arbeit und ich war als Testperson für Augencreme für Frauen zwischen 25 und 45 Jahren bei Shiseido in Gotanda. 
Schon auf dem Weg zur U-Bahn Station hatte ich keine Lust nach Gotanda zu fahren. Auf halben Weg fuhr ich wieder nach Hause, doch dann fiehl mir ein, dass eine Bekannte von mir in Gotanda auf mich wartete und ich mußte wohl oder übel meinen Augencreme Test wahrnehmen. Eine japanische Kosmetikfirma (Shiseido) führte diesen Test bei hunderten von Ausländerinnen durch. Japanerinnen möchten immer weiß sein und daher enthalten Cremes Bleichmittel. Dies ist anders mit uns Caucasian Girls. Wie auch immer, ich habe von dem Test nie wieder gehört. 
   In Gotanda angekommen, marschierten wir zur Kosmetikfirma. Dort wurde akribisch Schritt für Schritt alles festgehalten und schließlich erhielten wir am Ende der Testphase einen kleinen Obolus. Es war vielleicht 14.00 Uhr, so genau weiß ich es nicht mehr, als wir endlich fertig waren. 
Wir entschlossen uns noch einen Kaffee direkt gegenüber von der U-Bahn Station Gotanda zu trinken. Ein großes Gebäude mit vielleicht 10 Stockwerken. Oben auf dem Gebäude steht eine riesige Leuchtreklame. Hier zwei Bilder, dass linke Bild zeigt das Gebäude in Gotanda und das rechte Bild zeigt die Bürogebäude in Shinjuku. Mein Mann sass in einem dieser Gebäude. Meine Kinder waren in der Schule.


Gotanda

Was wir alle vier an diesem Tag und in den darauf folgenden Monaten erlebt haben ist unglaublich. Noch heute muß ich den Kopf hierüber schütteln. Alles war so chaotisch und ich spreche hier nicht von den Japanern, die sich vorbildlich verhalten haben. 

Meine Bekannte ist eine stämmige Bayerin, die mit einem dünnen Japaner verheiratet ist. Sie weiß was sie will und wußte so gar nichts mit mir Nordlicht anzufangen. Trotzdem verstanden wir uns gut an diesem Tag und arbeiten in einem Team um nach Hause zu gelangen. Sie spricht gutes japanisch, da sie schon ziehmlich lange in Japan lebt. 

   Als das Erdbeben losging (14.46 Uhr) saßen wir gemütlich an einem Tisch am Fenster und konnten direkt auf die Gleise der Bahn schauen. Plötzlich fingen die Tassen an ChaCha Cha über den Tisch zu tanzen und entsetzt schaute ich mir das einen klitzekleinen Moment lang an. Dann klangen aufeinmal die laut klimpernden Kronleuchter an mein Ohr und nervös schaute ich mich um. Alle blieben ruhig an ihren Tischen sitzen. Niemand zeigte auch nur den geringsten Anschein, dass sie etwas bemerkt hatten. Ausser einer, nur für Kenner :) sichtbar, hier und da poppten die Augen der Japaner heraus. Inzwischen wackelte das Gebäude wild von einer Seite auf die Andere. Ähnlich wie in 3D Kino/s in Disneyland. Meine Knie wurden weich, obwohl ich noch auf meinem Stuhl sass. Panisch schaute ich meine Bekannte an und sagte: "Lass uns gehen". Nein, sie wollte sitzen bleiben, die Ruhe selbst. Das konnte ich von mir nicht sagen. Ich sprang auf und rief, okay, Du kannst sitzen bleiben ich buddle dich nacher aus und rannte an allen ruhig sitzenden Gästen vorbei, sowie dem Kassierer und erreichte den Ausgang. Stürzte die Treppe herunter und einen laut schreienden Kassierer hinter mir her. Nun waren die anderen Gäste auch hinter dem Kassierer und der gab auf. Wir alle rannten die Treppe runter, eigentlich sollte man unter den Tischen Schutz suchen aber das Gebäude machte den Eindruck, dass es jeden Moment zusammenfällt. Nun ja, am Ausgang angekommen blieben die meisten stehen, ich rannte auf den Bürgersteig. Dort blieben meine Bekannte und ich an der Ampel stehen, sichtlich geschockt und schauten nach oben auf die Reklame. Eigentlich wollte ich über die Kreuzung drüber laufen aber ich wurde festgehalten von ihr. Sie hatte Angst, dass mich ein Auto überfährt. Die Fußgängerampel war aber grün. Auf der anderen Seite wären wir weiter von den Gebäuden weg gewesen, zumindest war dies mein Gedanke aber am Ende gab es dort auch gefährliche Sachen wie Lampen, Bushaltestelle etc.. 
Das Beben hörte und hörte nicht auf. Ich war fertig fertig fertig und meine liebe Bayerin auch.  Das Gebäude in dem wir saßen wackelte bedenklich von einer Seite auf die andere Seite. Ich war froh nicht mehr im Gebäude zu sitzen. Endlich hörte das Beben auf und ich zitterte vor Aufregung. Als es vorbei war fiehlen wir uns in die Arme, schluchz! Wir schauten uns an und ich war nicht die Einzigste die hier in Panik war. Ich versuchte sofort meinen Mann und die Kinder zu erreichen aber ich kam nicht durch. Dann schickte ich eine sms an meinen Mann und er antwortete nicht. Die Telefonleitung der Schule war tot. Ich postete auf Facebook und fragte, ob jemand weiss was an der Schule los ist.
    Sobald die Ampel grün anzeigte überquerten wir die Kreuzung und nun erst fingen wir wieder an zu sprechen. Wir wollten sofort nach Hause fahren. In der Station angekommen, ließ man uns nicht durch die Schranken durch gehen. Nach ca. 5 Minuten kam eine Durchsage, dass der Zugverkehr eingestellt war. Die Station wurde geschlossen. 
         Vor der Zugstation standen wir einen Moment unschlüssig herum und dann fing ein Nachbeben an. Jetzt war ich die Ruhe selbst. Ich schaute mich um und entfernte mich aus möglichen Gefahrenzonen, dann setzten wir uns in die Hocke und hielten mit Fremden Händchen mit der einen Hand und mit der andern Hand schützten wir unsere Köpfe. Jeder wußte, dass dies hier ein episches Erdbeben ist. Auch dieses Nachbeben war lang und während des Erdbebens überlegte ich, wie wir am schnellsten nach Hause kommen konnten. Es war sehr weit zur Schule meiner Kinder. Diese ist in Yokohama. Meine Bekannte mußte noch weiter in den Süden. Ich schaute nach, ob die Batterie meines Telefons voll war. Leider nicht, 70%. Als das Nachbeben aufhörte sprangen wir in den nächsten Bus der anhielt. Dieser ging nach Kawasaki. Inzwischen wurde es richtig dunkel und Regenwolken, die den ganzen Tag über Tokio hingen wurden noch dunkler und schauten richtig bedrohlich aus. Es fing an zu regnen. 


Kawasaki



Als wir in Kawasaki ankamen fuhr unser Bus von einer normalen Straße ab und bog auf den riesigen Vorplatz der Station ein. Hier warteten Tausende in Schlangen an den Bushaltestellen und Taxi Ständen. Es war eisig kalt. 

Als wir ausstiegen mußte ich zur Toilette und auch hier warteten alle in einer langen Schlange. Schon bald war klar, dass ich unmöglich solange in der Kälte stehen konnte. Ich fing schon nach ein paar Minuten am ganzen Körper zu zittern an. Mir fiehl ein Buch ein, dass ich irgendwann einmal gelesen habe, dort erzählte ein Häftling, der ein Gefängnis in Russland überlebt hatte, dass er in seiner Zelle immer auf und ab ging um sich warm zu halten. Ja, ich weiß, hört sich komisch an aber das Beste war nicht auf den nächsten Bus zu warten, denn ich ging davon aus, dass das ganze Verkehrssystem zusammengebrochen ist und das hieß für mich, dass ich zu Fuß zur Schule laufen mußte. Wärend wir im Bus saßen gab es Geflüster, Tsunami, Tsunami hörte ich immer wieder. Leider konnte ich mein iPhone nicht benutzen weil ich die Karte brauchte um den Weg nach Hause zu finden. Als der Bus für einen Moment auf einer Brücke über einen Fluß anhielt schauten alle auf das Wasser.
Wir marschierten los um von Kawasaki nach Yokohama zu gelangen. Eigentlich wollte ich nicht direkt zur Yokohama Station aber ich wollte meine Bekannte auch nicht allein lassen. Ich kannte Yokohama Station sehr gut, da ich in 2006 dort gewohnt habe. Wir waren die Ersten die von Kawasaki aus aufbrachen. Unglaublich, die Dämmerung fing an und ich wollte noch schnell etwas im Seven/Eleven Laden kaufen. Alles war ausverkauft. Ich meine, es war vielleicht 16.00 Uhr oder 17.00 Uhr, keine Ahnung. Dies Bild ist nicht von 7/11 aber es gibt einen Eindruck darüber.







Als die Nacht einsetzte bemerkte ich, dass wir durch Stadtteile liefen die keinen Strom hatten. In den Geschäften, die noch offen waren kauften Leute Proviant. Als wir vielleicht 20 Minuten unterwegs waren kamen uns die ersten Leute entgegen, die in die andere Richtung mußten. 



Inzwischen erhielt ich eine Email von meinem Mann, ihm ging es gut und er würde mit dem Zug um 19.30 Uhr nach Hause kommen. Was sollte ich dazu noch sagen? Dann erhielt ich eine Nachricht von ihm, dass es ganz schlimm aussieht in Tohoku. Zwischendurch probierten wir immer wieder unsere Männer oder Kinder zu erreichen aber die Telefonnetze waren zusammen gebrochen. Email und Facebook waren die besten Kommunikationsmittel.


Yokohama

Irgendwann kamen wir in Yokohama an. 60,000 Leute warteten in Schlangen auf Busse und Taxis, dass gleiche Bild wie in Kawazaki, nur hier gingen die Schlangen um die Blocks herum. Nun wollte ich allein weiter, doch meine Begleitung entschied sich mit zur Schule zu laufen, da ihre Freundin in der Nähe wohnt. Wir kamen nicht weit und stellten uns an einer anderen Station für den Bus an, da es dort keine Schlange gab. Die Kälte fraß sich langsam die Füße hinauf und ich wollte lieber weiter gehen. 

Von irgendwoher kam ein Japaner und erzählte uns von einer Notunterkunft, die gegenüber offen wäre. Dort könnten wir die Nacht verbringen. Auch erhielt ich eine Nachricht, dass meine Kinder bei einer Bekannten übernachteten. Alle Kinder die nicht von der Schule abgeholt wurden, mußten in der Schule übernachten. Also entschloß ich mich in dieser Notunterkunft zu schlafen. Es war ein Theater und im Flug schliefen schon unzählige Leute. Der Boden war zu kalt für mich, also setzte ich mich ins Theater auf rote Plüschsessel. Die ganze Nacht durch wackelte Japan und ich sprang fast immer auf und ging raus in die Halle. 





Samstag, 12. März 2011

Um 3.45 Uhr standen viele auf und holten sich eine Zeitung und da bekam ich das erste Mal das ganze Ausmass des Erdbebens mit. Schlimm! Es gab nur ein Bild von Flugzeugen, die von Autos umspült waren, zumindest sah dies so aus. Dies war mein erster Eindruck vom Tsunami. Trotzdem konnte ich mir nicht vorstellen, was da passiert ist.  





Zwischendurch wackelte es wieder und die Zeitung vor mir zitterte leicht. Die Lampe an der Decke wackelte bei jedem Beben. Ich ging wieder raus. Die ganze Nacht habe ich nicht ein Auge zugetan. Kurz bevor Beben passieren gibt es Warnungen über das Handy und überall fängt es an zu piepsen.
Gegen 5.15 Uhr machten wir uns auf dem Weg, es wurde langsam hell. Am Busbahnhof war nichts los und wir stellten uns am Taxi Stand an. Sofort hielt ein Taxi und ich nahme es um nach Hause zu kommen. Was war ich froh endlich in einem warmen Taxi zu sitzen. Meine Bekannte wartete auf das nächste Taxi das gleich danach kam.
Zuhause angekommen begrüßte mich Wuffti überglücklich. Das Haus stand und war kalt. Iich schrieb schnell ein paar Emails und lud mein Handy auf. Eine sms von meinem Mann erreichte mich, dass er im Zug sitzt und nach Hause kommt. Er übernachtete in seinem Bürostuhl die letzte Nacht, im 15 Stockwerk. Ich schwang mich auf mein Fahrrad und holte die Kinder ab. Bei meiner Bekannten war noch mehr Besuch. Kurz setzten wir uns vor den Fernseher. Hier wurde über Fukushima berichtet. Wir schauten uns einen Moment lang an und fragten uns wie weit Fukushima von uns weg ist. 285km! Das klang für uns weit genug weg. Bis dato haben wir nichts von der Deutschen Botschaft in Tokio gehört. Wir waren alle registriert und gingen davon aus, dass man uns rechtzeitig oder auch nicht über etwaige Gefahren informieren wird. Also blieben wir noch ruhig. Wieder erhielt ich eine Nachricht von meinem Mann, es war 7.00 Uhr morgens und er fragte, ob er ein Bier trinken könnte. Okay schrieb ich zurück. Der arme Kerl sass die ganze Nacht auf seinen Bürostuhl und nun fiehl der Stress von ihm ab. Ich bedanke mich und wir veraschiedeten uns. Meine Kinder waren so glücklich mich zu sehen und ich war glücklich sie zu sehen. Zuhause angekommen fand ich meinen Mann bereits schnarchend im Bett vor. Die Kinder wollten auch schlafen, die letzte Nacht war zu aufregend, da sie immer geweckt wurden, wenn es bebte. Ihr Bett war neben einem Bücherregal. Wir gingen alle zu Bett und schliefen uns erstmal aus. Unser Hause tanzte jedes Nachbeben aus. Wir bekamen nichts mehr mit und schliefen durch alle Nachbeben.



Gegen Abend (ca. 17.00 Uhr) wachten wir alle langsam auf. Mein Mann sass mit abstehenden Haaren vorm Fernseher und schaute die Nachrichten in japanisch. Ich setze mich dazu. Immer wieder bohrte ich nach, da er sehr wortkarg war, was der Kommentator nun sagt. In den Nachrichten ging es um Fukushima. Das Telefon klingelte und meine Freundin war dran und sagte mir, dass sie den Zug nach Narita nimmt und nach Okinawa fliegt. Ich fragte nach, wieso sie nach Okinawa fliegt. Daraufhin erzählte sie mir von der schwierigen Situation in Fukushima. Ich war auf einmal hellwach. Nachdem ich den Hörer aufgelegt habe, stürmte ich zu meinem verschlafenen Mann vor den Fernseher und fragte diesmal energisch nach, was der Kommentator sagt. Mein Mann sagt das Folgende: "Es schmilzt!" Sofort drehte ich mich auf dem Absatz um und holte unsere Rucksäcke, schrieh die Treppe hoch: "Alle anziehen wir fahren in 30 Minuten nach Süden (oder Westen, so genau wußte ich das auch nicht zu diesem Zeitpunkt). Während ich packte wunderte ich mich, warum wir nichts von der Botschaft gehört hatten, auch von der Schule kam nichts. Nur eine Person rief mich an, also rief ich meine Bekannte an, wo meine Kinder die letzte Nacht übernachteten. Sie war fertig und sagte mir, dass viele nicht wissen was sie machen sollen. 

Nagoya

Mein Mann sass immer noch in seinem Pyjama mit Sturmfrisur und hangover vor dem Fernseher als wir drei vor ihm standen und darauf bestanden sofort Tokio zu verlassen. Sein Rucksack war fertig gepackt. Er wollte nicht. Also fesselten wir ihn (mit Worten) und riefen ein Taxi. 15 Minuten später waren wir in Shin-Yokohama und wenig später saßen wir in der Shinkansen mit 200 und etwas Sachen in Richtung Nagoya. in Nagoya angekommen. mein Mann mit Sturmfrisur, machten wir uns auf die Suche nach einem Hotel. Dort angekommen legten wir uns auch gleich wieder ins Bett. Puh, nochmal Glück gehabt, den Gauk entkommen. 




Sonntag, 13. März 2011

Am nächsten Morgen erhielt ich die ersten Anrufe von anderen Deutschen. Junge, Junge, eine Firma hat ein Flugzeug gechartet um seine Leute rauszuholen. Alle Deutschen die wir so kannten waren inzwischen in Nagoya angekommen und übernachteten im Marriot Hotel. Dieses Hotel ist auf Platz 5 der höchsten Hotels in der Welt. Echt hoch! Wenn es wackelt, wackelt es .... . Wir waren in einem etwas günstigeren Hotel untergebracht. Mein Mann seine Firma hatte auch kein Charter Flugzeug gemietet und seine Kollegen werden sich bestimmt wundern wo er am Montag ist, falls er nicht auftaucht aber da habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Beim Frühstück (Sonntag morgen) sagte mein Mann, dass er Mittags wieder nach Tokio fahren will. Nun, der Sache konnte ich nicht folgen. Der Gauk ist morgen nicht vorbei, sagte ich. Dann bekam ich eine sms, dass ein Krisen Meeting der Deutschen im Marriot Hotel abgehalten wird und ob mein Mann teilnehmen möchte. Er schüttelte nur den Kopf. Nun, dann kam sein alter Samurei Geist heraus und er bestand darauf nach Tokio mit kompletter Familie zurück zu kehren. Ich ergab mich. Die Wolke sollte erst Dienstag nach Tokio kommen. Insgeheim hoffte ich, dass seine Arbeit ihn auch nach Hause schickte. Als wir in Tokio ankamen erfuhr ich, dass noch nicht alle weg waren. Keiner hatte etwas von der Botschaft gehört. Flüge waren unerschwinglich teuer. Die Fluggesellschaften waren auf diesen Ansturm nicht vorbereitet. 



Montag, 14. März 2011

In der Nacht erhielt ich einen Anruf von meiner Familie und jeder versuchte mich zu überzeugen, dass Land zu verlassen. Nach und nach schaltete sich jemand zum Konferenzcall dazu. Das Land verlassen war nicht so einfach. Mein Mann schlief neben mir und wachte immer wieder zwischendurch auf und sagte: "Leg auf, soviel Panik"

Am nächsten Morgen machte mein Mann sich wie eh und je fertig und ging zur Arbeit. Er war überzeugt, dass ich als Deutsche überreagierte und er war überzeugt, dass ich eine gute Ehefrau bin und auf ihn höre. Nun ja, ich bin eine gute Ehefrau aber ich höre nicht immer auf ihn. 

Fahnenflucht

Als er das Haus verließ packte ich meine Kinder unter den Arm und wir fuhren wieder nach Nagoya. Diesmal gab es lange Schlangen in Shin-Yokohama. Wir waren nicht allein mit unserer Angst. 






Nagoya liegt ungefähr 500 km von Fukushima weg. Dort angekommen kümmerte ich mich um eine billige Unterkunft. Eine Bekannte bot mir an bei ihr zu übernachten. Genial. Ich bekam zwischendurch eine Textmessage von meinem lieben Mann, er ärgerte sich, dass es keinen Strom gab und er irgendwo festsass. Noch wußte er nicht, dass ich desertiert war. Eine Bekannte von mir hatte ihren japanischen Ehemann so weich geklopft, dass er sie völlig entnervt in das nächste Flugzeug setzte, damit er in Ruhe weiter arbeiten konnte. 

Als der tägliche Mittagsanruf von meinem Mann kam, erzählte ich ihm, dass wir bereits wieder in Nagoya sind. Von nun an wollte er nicht mehr über Fukushima sprechen und sprach nur noch in seiner bedrohlichen japanischen Stimm um mich zu überzeugen und an meine Pflichten zu erinneren. Das war mir Piep egal. Erstmal wollte ich wissen was los war.
Am besten war die japanische Regierung, die Ausländer zur Ruhe ermahnten. Nur cool! Sie sollten sich doch geordnet verhalten und sich wie Erwachsene / Männer benehmen. Nun ja, dass war bei mir gründlich in die Hosen gegangen und wie ich später erfahren mußte wohl auch bei der Deutschen Botschaft, auch und der Deutschen Schule. 

Noch am gleichen Abend in Nagoya war der totale Stress. Meine Freundin ihr Mann, der im Moment nicht in Japan war, verlangte, dass sie sofort das Land verläßt. Ihr Eltern weinten, na ja das volle Programm. Ich rief meinen Mann an, er nahm nicht ab. Ich versuchte ihn über Email zu erreichen, er antwortete nicht. Also versuchte ich es mit dem letzten Druckmittel: "Wir fliegen!" 
Sofort bekam ich einen Anruf und mein Mann sagte mit seiner bedrohlichen japanischen Stimme: "Mischa, es reicht Du gehst nach Okinawa. Ich habe für euch ein schönes Hotel am Strand gebucht. Dort wartet ihr bis die Schule wieder öffnet." So sorglos, am Strand! Japaner sind super cool, ich Deutsche bin super uncool! 


Dienstag, 15. März 2011 (radioaktive Wolke erreicht Tokio)

Okinawa


Am nächsten Morgen nahmen wir die Shinkansen nach Osaka und flogen dann nach Naha auf Okinawa. Wir wurden von einem richtig miesen Wetter empfangen und schliefen die erste Nacht in einem Hotel in Naha. Danach ging es mit dem Bus über Land Richtung Norden zu unserem Hotel. Drei Stunden Fahrt. Das Hotel war auf einem Hügel mit einem wunderschönen Blick über die Bucht. 




Am 16. März 2011 kamen wir in Okinawa an. Wir erhielten eine Email oder ein Telefonat, das Logo meine Kinder interviewen wollte aber wir hatten keine Internet Verbindung im Hotel und gaben das Interview an eine andere Familie ab. Inzwischen meldeten sich die Familien. Einige waren in Bangkok, Hongkong, Indonesien, Singapur, Deutschland und Amerika.

Die Schule war geschlossen und sollte noch zwei volle Monate weiter geschlossen bleiben. Jeden Tag warteten wir auf Nachrichten aus Tokio. Jeden Tag wurden wir auf einen anderen Termin verwiesen. Immer mehr japanische Mütter kamen mit kleinen Kindern in Okinawa an und warteten ab. Mein Mann vermied jedes Gespräch über Fukushima und wechselte immer zu seinem Hauptthema, den Heuschnupfen oder auch als KAFUNSHO bekannt. Mein Schwager nahm viele Flüchtlinge aus Fukushima auf. Ich unternahm mit den Kindern viele Tagestouren um sie von der Katastrophe abzulenken. 

Bis Ende März verweilten wir in Okinawa. Danach flogen wir nach Osaka und mein Mann kam von Tokio um uns zu verabschieden. Am nächsten Morgen ging es nach Berlin. Dort blieben wir bis Ende des Schuljahres. Erst im Juli 2011 sollten wir wieder vereint in Tokio leben. Wir sind froh, dass wir eine so liebe Familie haben, die uns während dieser Zeit aufgenommen hat. Die ganze Zeit über erhielten wir nur eine Email von der Deutschen Botschaft in Tokio über Flugtickets, die noch erhältlich waren. Dies ist bereits das zweite Erlebnis einer Krise mit der Deutschen Botschaft und in beiden Fällen konnte man sich nicht auf diese Aussenstelle von Deutschland verlassen. Nun in diesem Jahr, 2012, hatte ich Gott sei Dank, eine andere Erfahrung gemacht. Deswegen bin ich nicht mehr ganz so enttäuscht. Doch in einer Krise ist man im Ausland in den ersten 24 bis 28 Stunden immer auf sich allein gestellt und sollte wirklich nach seinem eigenen "Verstand" handeln, auch wenn es sich später als Irrtum herausstellt. Lieber Vorsicht wie Nachsicht.

27. März 2011 Flug nach Berlin